Tattoo-Anzahlung: Höhe, Absageregeln und Rückzahlung im Studio
Wozu eine Anzahlung beim Tattoo dient, wie du die Höhe festlegst, was bei Absage und No-Show gilt und wann Kunden ihr Geld zurückbekommen. Mit den Gesetzesstellen, die du kennen solltest, und dem, was offen ist.
Stand: 27.10.2026 · von Tattookalender · allgemeine Information, keine Rechtsberatung
Inhalt
Kurz vorab: Das ist eine allgemeine Information für Studios, keine Rechtsberatung. Wir nennen die Gesetzesstellen, die für Anzahlungen wichtig sind, und sagen, wo es offen ist. Ob deine Regeln wirksam sind, kann am Ende nur ein Gericht klären.
Wozu eine Anzahlung?
Ein Termin im Studio blockiert Stuhl und Artist, oft für viele Stunden. Fällt er aus, ist die Zeit weg. Eine Anzahlung hält den Termin verbindlich, hilft gegen kurzfristige Absagen und zeigt, wer es ernst meint. Sie ist eine Vorauszahlung auf den Preis, keine Strafe. Wichtig ist, die Begriffe auseinanderzuhalten:
| Begriff | Was es ist | Worauf du achten musst |
|---|---|---|
| Anzahlung | Vorauszahlung, wird auf den Preis angerechnet | Sag vorher, wie sie angerechnet wird und was bei Absage passiert. |
| Ausfallgebühr | Pauschaler Ersatz, wenn die Kundin nicht kommt | In vorformulierten Bedingungen enge Grenzen (§ 309 Nr. 5 BGB). |
| Vertragsstrafe | Zahlung als Druckmittel für den Fall, dass jemand nicht erscheint oder sich löst | In vorformulierten Bedingungen gegenüber Verbrauchern unwirksam (§ 309 Nr. 6 BGB). |
Wie hoch soll sie sein?
Eine gesetzliche Höhe gibt es nicht. Im Netz kursieren Prozentsätze und Beträge, aber wir haben dafür keine belastbare Quelle gefunden und nennen deshalb keine „übliche Höhe“. Besser ist, du rechnest für dein Studio:
- Ausfall berechnen: Wie viele Stunden blockiert die Terminart, und was verdienst du in dieser Zeit sonst? Ein Termin, den du kurzfristig nicht mehr vergeben kannst, kostet dich mehr als einer, den du noch füllen kannst.
- Nach Terminart staffeln: Eine Beratung buchst du im Tattookalender ohne Zahlung, dort gibt es auf Wunsch die Ausfallgebühr per Häkchen. Für Tattoo-Termine legst du je Terminart einen festen Betrag oder einen Prozentsatz vom Preis fest und kannst ihn beim Anfordern ändern.
- Anrechnen: Die Anzahlung wird bei der Restzahlung abgezogen. Bei großen Projekten kann jede Sitzung ihre eigene Anzahlung haben.
- Nachvollziehbar bleiben: Je höher die Anzahlung im Verhältnis zum möglichen Ausfall, desto eher musst du sie begründen können.
Was das Gesetz dazu sagt, und was offen ist
Sind deine Regeln „AGB“?
Allgemeine Geschäftsbedingungen sind alle für eine Vielzahl von Verträgen vorformulierten Vertragsbedingungen, die du der Kundin bei Abschluss stellst. Dazu zählen auch Absageregeln auf deiner Bezahlseite oder im Formular. Sie sind nicht AGB, soweit sie im Einzelnen ausgehandelt sind (§ 305 Abs. 1 BGB). Sie werden nur Vertragsbestandteil, wenn du bei Vertragsschluss ausdrücklich darauf hinweist, die Kundin sie in zumutbarer Weise lesen kann und sie einverstanden ist (§ 305 Abs. 2 BGB). Deshalb zeigt eine gute Bezahlseite die Regeln vor der Zahlung und lässt sie bestätigen.
Verfällt die Anzahlung bei Absage oder No-Show?
Das ist die heikelste Frage. Wenn die Anzahlung bei kurzfristiger Absage verfallen soll, wirkt das wie eine Pauschale oder eine Vertragsstrafe. Gegenüber Verbrauchern gilt für vorformulierte Bedingungen:
- Ein pauschalierter Anspruch auf Schadensersatz ist unwirksam, wenn die Pauschale den typischerweise zu erwartenden Schaden übersteigt oder der Kundin nicht ausdrücklich der Nachweis erlaubt wird, dass kein oder ein wesentlich niedrigerer Schaden entstanden ist (§ 309 Nr. 5 BGB).
- Eine Vertragsstrafe für den Fall, dass jemand die Leistung nicht abnimmt oder sich vom Vertrag löst, ist in vorformulierten Bedingungen unwirksam (§ 309 Nr. 6 BGB).
- Gegenüber Unternehmern gelten diese beiden Verbote nicht unmittelbar, aber die allgemeine Prüfung auf unangemessene Benachteiligung (§ 307 BGB, § 310 Abs. 1 BGB).
Offen bleibt, wie ein Gericht eine Klausel „Anzahlung verfällt“ für dein Studio bewertet. Wer mehr behalten oder fordern will als die Anzahlung, sollte seinen tatsächlichen Ausfall belegen können.
Wenn die Kundin kündigt: das Werkvertragsrecht
Bei Werkverträgen kann die Bestellerin bis zur Vollendung des Werkes jederzeit kündigen. Der Unternehmer kann dann die vereinbarte Vergütung verlangen, muss sich aber ersparte Aufwendungen und anderweitigen Erwerb anrechnen lassen. Vermutet wird, dass ihm 5 Prozent der auf den noch nicht erbrachten Teil entfallenden Vergütung zustehen (§ 648 BGB). Ob und wie diese Vorschrift auf Tattoo-Termine passt, ist nicht abschließend geklärt. Wir beurteilen das nicht und leiten daraus keine Höhe der Anzahlung ab.
Wenn du selbst absagst
Fällt ein Termin aus, weil du ihn absagst oder nicht erbringen kannst, und wird er nicht nachgeholt, ist die Anzahlung keine Gegenleistung für etwas, das du nicht erbringst. Soweit die Gegenleistung nicht geschuldet ist, kann das Geleistete nach den Rücktrittsregeln zurückgefordert werden (§ 326 Abs. 4 BGB in Verbindung mit §§ 346 bis 348 BGB). Das heißt in der Praxis: zurückzahlen oder auf den neuen Termin übertragen, wenn die Kundin das will.
Online gebucht: Widerrufsrecht
Bei Fernabsatzverträgen mit Verbrauchern, also zum Beispiel bei Buchung über Website oder Messenger, gibt es grundsätzlich ein Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 1 BGB). Ausgenommen sind unter anderem Verträge über Dienstleistungen im Zusammenhang mit Freizeitbetätigungen, wenn der Vertrag einen spezifischen Termin oder Zeitraum vorsieht (§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB). Ob ein Tattoo-Termin darunter fällt, ist nicht eindeutig. Das solltest du für dein Studio klären, bevor du Termine mit Anzahlung online verkaufst.
Absageregeln festlegen: die Checkliste
- Betrag: fest je Terminart oder in Prozent vom Preis, mit Hinweis auf die Anrechnung.
- Zahlungsfrist: Bis wann muss die Anzahlung da sein, damit der Termin gilt? Im Tattookalender ist die Voreinstellung 48 Stunden, du kannst sie ändern. Danach wird die Reservierung freigegeben und der Termin ist wieder frei.
- Absagefrist: Bis wann ist eine Absage kostenlos? Voreinstellung im Tattookalender: 72 Stunden vor dem Termin, einstellbar.
- Rechtzeitige Absage: Erstattung oder Guthaben? Voreinstellung ist Guthaben, du kannst auf Erstattung umstellen. Sag auch, ob ein Guthaben befristet ist.
- Kurzfristige Absage und No-Show: Verfällt die Anzahlung ganz, teilweise oder gar nicht? Beachte die Grenzen oben und formuliere die Regel so, dass die Kundin auch einen geringeren Schaden nachweisen darf.
- Verschieben: Wie oft? Voreinstellung zwei Mal. Die Anzahlung wandert mit dem Termin mit.
- Wenn du absagst: Rückzahlung oder neuer Termin nach Wahl der Kundin.
- Kulanz: Krankheit oder Notfall? Entscheide, wer Ausnahmen machen darf.
- Sichtbar machen: Zeig die Regeln vor der Zahlung und lass sie bestätigen (§ 305 Abs. 2 BGB).
Die genannten Voreinstellungen sind Einstellungen im Tattookalender, keine Empfehlung für feste Werte. Jedes Studio legt seine Regeln selbst fest.
Wann bekommt die Kundin ihr Geld zurück?
| Situation | Was du festlegen kannst | Worauf du achten musst |
|---|---|---|
| Das Studio sagt ab | Rückzahlung oder Anzahlung auf den neuen Termin übertragen | Nicht einbehalten (§ 326 Abs. 4 BGB), wenn der Termin nicht nachgeholt wird. |
| Kundin sagt vor der Absagefrist ab | Erstattung oder Guthaben | Sag in den Regeln, welche Variante gilt. |
| Kundin sagt kurzfristig ab | Anzahlung einbehalten, teilweise oder gar nicht | Grenzen bei vorformulierten Regeln (§ 309 Nr. 5 und 6 BGB). Kulanz ist immer möglich. |
| Kundin kommt nicht (No-Show) | wie bei kurzfristiger Absage | Gleiche Grenzen. Dokumentiere, dass du den Termin freigehalten hast. |
| Termin wird verschoben | Anzahlung wandert mit | Lege fest, wie oft das geht. |
| Anzahlung nie bezahlt | Reservierung läuft ab, Termin wird wieder frei | Nichts zu erstatten. |
So läuft es im Tattookalender
- Am Termin, im Angebot oder im Kundenprofil klickst du „Anzahlung anfordern“. Der Betrag ist aus der Terminart vorausgefüllt und frei änderbar, dazu setzt du eine Zahlungsfrist.
- Die Kundin bekommt einen Link zu einer Bezahlseite mit Studio, Termin, Betrag und deinen Absageregeln. Sie bestätigt, dass sie die Regeln gelesen hat, und zahlt über Stripe.
- Das Geld geht über dein eigenes Stripe-Konto direkt an dich. Der Tattookalender nimmt keine Provision auf Zahlungen.
- Nach der Zahlung ist der Termin bestätigt. Läuft die Frist ohne Zahlung ab, wird der Termin wieder frei.
- Bei Absage oder No-Show gilt deine Regel: Der Tattookalender zeigt dir, was mit der Anzahlung passiert. Erstattungen löst du im Zahlungsmodul aus.
Anzahlungen per Bezahllink gibt es ab dem Paket „Kalender + Zahlungen“. Die Pakete findest du auf der Startseite. Wie du die Einwilligung am Termin absicherst, erklärt der Ratgeber Tattoo-Einverständniserklärung.
Quellen
Gelesen am 27.10.2026. Gesetze ändern sich; prüfe den aktuellen Wortlaut selbst nach.
Häufige Fragen
Wie hoch darf eine Tattoo-Anzahlung sein?
Das Gesetz nennt keine feste Höhe. Bei vorformulierten Bedingungen prüfen Gerichte, ob sie Kundinnen und Kunden unangemessen benachteiligen (§ 307 BGB). Orientiere dich an dem Ausfall, der dir bei einer Absage tatsächlich entsteht, und rechne die Anzahlung auf den Preis an. Eine „übliche Höhe“ nennen wir nicht, weil wir dafür keine belastbare Quelle gefunden haben.
Bekomme ich die Anzahlung zurück, wenn ich den Termin absage?
Das hängt von den Regeln des Studios ab, die du vor der Zahlung kennen musst. Viele Studios erstatten die Anzahlung bei rechtzeitiger Absage oder schreiben sie als Guthaben gut. Sagt dagegen das Studio ab und holt den Termin nicht nach, kann die Anzahlung zurückgefordert werden (§ 326 Abs. 4 BGB).
Verfällt die Anzahlung bei einem No-Show?
Viele Studios regeln das so. Rechtlich ist eine Klausel, nach der die Anzahlung verfällt, aber nicht unproblematisch, wenn sie vorformuliert ist: Gegenüber Verbrauchern sind pauschale Schadensersatzbeträge unwirksam, wenn sie den typischen Schaden übersteigen oder den Nachweis eines geringeren Schadens nicht ausdrücklich erlauben (§ 309 Nr. 5 BGB). Ob deine Regel wirksam ist, können wir nicht beurteilen.
Wird die Anzahlung auf den Preis angerechnet?
Eine Anzahlung ist eine Vorauszahlung auf den Preis. Sie wird deshalb bei der Restzahlung angerechnet. Wenn du etwas anderes meinst, etwa eine Gebühr für den Ausfall, nenn es nicht Anzahlung, sondern Ausfallgebühr und regle sie getrennt.
Muss ich Kunden vor der Zahlung auf die Absageregeln hinweisen?
Ja. Vorformulierte Bedingungen werden nur Vertragsbestandteil, wenn du bei Vertragsschluss ausdrücklich auf sie hinweist, die Kundin sie in zumutbarer Weise lesen kann und sie einverstanden ist (§ 305 Abs. 2 BGB). Zeig die Regeln deshalb vor dem Bezahlen und lass sie bestätigen.
Gibt es bei online gebuchten Terminen ein Widerrufsrecht?
Bei Fernabsatzverträgen mit Verbrauchern gibt es grundsätzlich ein Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 1 BGB). Ausgenommen sind unter anderem Dienstleistungen im Zusammenhang mit Freizeitbetätigungen, wenn der Vertrag einen spezifischen Termin vorsieht (§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB). Ob ein Tattoo-Termin darunter fällt, ist nicht eindeutig. Wir beurteilen das nicht. Klär das vor dem Start der Online-Buchung ab.
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